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Menschen & Weingüter · 2 Min. Lesezeit ·

Wie schmeckt ein Wein von 70 Jahre alten Reben?

Zwanzig Minuten von Kapstadt steht ein Rebberg von 1955, der älteste Pinotage-Bestand Südafrikas, heute unter Schutz. Das Gut dazu ist älter als die USA. Was alte Reben anders machen, warum ihr Wein nicht 20 Franken kosten kann, und welche drei Meerendal-Flaschen im Sortiment stehen.

Wie schmeckt ein Wein von 70 Jahre alten Reben?

Ein Anfang mit Zahlen

1702 erhielt ein Siedler im Tal von Durbanville, nördlich von Kapstadt, Land für eine Farm. Er nannte sie Meerendal und pflanzte 60'000 Rebstöcke. Das ist überliefert, und es sagt viel: Wer 1702 am Kap 60'000 Reben setzte, hatte nicht vor, Hauswein zu machen. Heute stehen auf dem Gut rund 150'000 Reben.

Durbanville ist die kühlste Weinregion im Umkreis von Kapstadt. Die Hügel liegen offen zum Atlantik, und der Wind vom Meer hält die Sommer erträglich. Das ist der Grund, warum hier Sauvignon Blanc so gut gedeiht und die Rotweine mehr Frische haben als weiter im Landesinneren.

Der Keller von 1943

Der heutige Keller wurde 1943 gebaut. Die Betontanks von damals sind noch in Betrieb. Das ist keine Nostalgie: Beton hält die Temperatur stabiler als Stahl und ist bei vielen Spitzenbetrieben wieder in Mode. 1969 kamen die ersten Weine unter eigenem Namen auf den Markt, ein Shiraz und ein Pinotage.

Als Südafrika sein Herkunftssystem einführte, gehörte Meerendal zu den ersten 14 Betrieben, die den Status «Estate» erhielten: Wein ausschliesslich aus eigenen Trauben, auf dem Gut gekeltert.

Die Reben von 1955

Das Wichtigste an Meerendal steht auf einem Hügel hinter dem Keller. 1955 wurde dort Pinotage gepflanzt, nur 14 Jahre nach dem allerersten Pinotage-Wein überhaupt. Diese Stöcke tragen bis heute. Sie gelten als die älteste Pinotage-Lage Südafrikas und sind als «Heritage Vineyard» im Old-Vine-Projekt registriert, das die alten Rebberge des Landes schützt.

Siebzig Jahre alte Reben geben wenig Ertrag. Was sie geben, ist konzentriert und hat eine Tiefe, die junge Anlagen nicht erreichen. Aus diesem Block wurde in fünfjähriger Arbeit ein eigener, virusfreier Pinotage-Klon entwickelt, damit die Genetik erhalten bleibt, wenn die alten Stöcke eines Tages ersetzt werden müssen.

Daneben wurde kürzlich ein noch älterer Bestand identifiziert: Muscat d'Alexandrie von 1936.

Drei Meerendal-Weine im Sortiment

Meerendal Intensio Pinotage, CHF 59.00. Der ernsthafte Pinotage des Guts: dunkel, würzig, mit Holz ausgebaut, feinherb. Fünf bis acht Jahre Reifepotenzial. Zu Lamm, Wild und Grilliertem mit Rauch.

Meerendal Heritage Reserve, CHF 49.90. Die Cuvée mit dem Namen des alten Rebbergs. Trocken, dicht, elegant. Der Wein für den Abend, an dem Sie jemandem Südafrika erklären wollen.

Meerendal Velo-Wine Durbanville, CHF 25.90. Ein Cape Blend aus Cabernet Sauvignon und Pinotage, halbtrocken und unkompliziert.

Dazu als Weisswein: Meerendal White Pearl Blanc Fumé, CHF 39.90, Sauvignon Blanc aus dem kühlen Durbanville, im Holz ausgebaut.

Wenn Sie einmal hinkommen

Das Gut ist heute auch Restaurant, Hotel und Ausgangspunkt für Wanderungen und Bike-Touren. Von Kapstadt sind es 20 Minuten. Wer den Tafelberg besucht hat, kann am Nachmittag dort stehen, wo die Reben von 1955 wachsen.

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